Forschungsarbeit
Re-Orientalismus in der Musik

Inhalte meiner künstlerisch-wissenschaftlichen Arbeit

Meine künstlerisch-wissenschaftliche Promotion absolviere ich im Rahmen des Dr.sc.mus. Programms an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Dabei werde ich von Frau Dr. Noeske und Herrn Dr. Sprick betreut. Die künstlerische Betreuung obliegt bei Herrn Daniel Barenboim. In meiner Arbeit verbinde ich Konzertpraxis und Musikforschung mit einem klaren postkolonialen und feministischen Erkenntnisinteresse. Ausgangspunkt war mein abgeschlossenes Studium der Iranistik an der FU Berlin und das von mir entwickelte Musikprogramm Ancient eve is once again offering apples, mit dem ich ein interkulturelles Konzertformat realisierte, das sich bewusst jenseits okzidental geprägter Hörnormen positionierte. Im letzten Jahr vergab ich fünf Auftragswerke für Viola Solo an iranische Komponistinnen - Ziel ist es, etablierte ästhetische Kategorien kritisch zu hinterfragen und zugleich einen Diskurs über musikkulturelle Bildung und Repräsentation anzustoßen.

Das Programm basiert ausschließlich auf Werken zeitgenössischer iranischer Komponistinnen der Iranian Female Composers Association, die überwiegend in der Diaspora leben. Ihre Arbeiten stehen im Zentrum meiner Promotion zum Thema Re-Orientalismus in der Musik. Aufbauend auf der Re-Orientalismus-Theorie von Lisa Lau, die wiederum auf der Orientalismuskritik von Edward Said basiert, untersuche ich kritisch, ob und inwiefern Re-Orientalismus im musikalischen Schaffen eine bewusste künstlerische Strategie darstellt. Im Fokus steht die Frage, ob musikalischer Re-Orientalismus als produktives Werkzeug eingesetzt werden kann, um stereotypisierte Fremdzuschreibungen zu unterlaufen, Prozesse von Othering offenzulegen und zugewiesene Subalternität zu destabilisieren.

Methodisch arbeite ich empirisch-analytisch mit leitfadengestützten Interviews, in denen Themen wie Selbstpositionierung, Exotismus und kulturelle Zuschreibung im kompositorischen Prozess reflektiert werden. Der künstlerische Teil der Promotion ist dabei nicht illustrativ, sondern integraler Bestandteil der Forschung: Die musikalische Erarbeitung, Kuratierung und Aufführung ausgewählter Werke fungiert als eigenständige Form künstlerischer Erkenntnisproduktion. Literatur, Sprache, Klang, Rhythmik und Metrum verstehe ich als gleichrangige Bedeutungsträger, die intertextuell miteinander verwoben sind und sich gegenseitig kommentieren.

Meine Arbeit versteht sich als Beitrag zur Erweiterung ästhetischer Perspektiven innerhalb einer nach wie vor männlich dominierten und eurozentrisch geprägten europäischen Klassik- und Komponierendenszene. Sie zielt darauf ab, musikbezogene Grenzziehungen nicht nur sichtbar zu machen, sondern sie strukturell und diskursiv zu problematisieren.

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